Wie aus Geisternetzen Brillen werden

Nicht nur Fisch wird gefischt

Im Rahmen der „Langen Nacht der Wissenschaft“ in Magdeburg hatte ich die Gelegenheit, in den Fachbereich „Wasser, Umwelt, Bau und Sicherheit“ der Hochschule Magdeburg/Stendal zu schnuppern. Hier wurde ein ganz tolles Projekt zum Thema Plastik in den Weltmeeren vorgestellt! Unter der Leitung von Frau Prof. Dr.-Ing. Gilian Gerke beschäftigt man sich hier in Kooperation mit dem NABU mit Dingen, die als moderner Beifang in den Netzen der Fischer landen. Größtenteils handelt es sich um abgerissene und verlorene Kunststoff-Netze und -stücke, die unkontrollierbar durch die Meere trudeln. Im eigenen Interesse sollen die Fischer solche Netze und anderen Plastikfang mitnehmen, anstatt alles, wie leider üblich, wieder zurückzuwerfen. Der gefischte Müll wird im Hafen dann in spezielle Sammelcontainer entsorgt. Partner ist hierbei die internationale Initiative „Fishing for Litter„. Beide machen sich dafür stark, über die immens zunehmende Verschmutzung des Lebensraums Ozean aufzuklären. Europaweit beteiligen sich bereits 35 Häfen an der Aktion!

Plastik aus dem Meer

Und wer entwirrt das Ganze?

Die grob vorsortierten Netze werden dann in großen Säcken nach Magdeburg geliefert. Der Fachbereich verfügt über ein Messgerät, welches ziemlich präzise herausfindet, aus was für einem Material ein Netz besteht. Wenn es sich um bestimmte Kunststoffe handelt, können die Netze recycelt werden. Sie werden zur Zeit noch sehr aufwändig von Hand sortiert und gereinigt. Danach zerlegt eine Maschine sie in kleine Fetzen. Hierfür ist viel Energie notwendig, da es in der Natur der Netze liegt, dass sie nicht so schnell reißen! Das entstandene Granulat kann dann wieder zu neuen Formen geschmolzen werden. Möglich sind hier z.B. Brieföffner oder farbenfrohe Brillengestelle, die erstaunlich flexibel sind. Der Prozess ist zur Zeit noch sehr aufwändig, daher muss dringend weitere Forschung und Unterstützung betrieben werden.

 

Netzverlust

Vermeidbar ist es wohl nie ganz, dass Dinge im Ozean verloren gehen. Woran wir aber dringend arbeiten müssen ist die Einstellung, dass unser Müll „weg“ ist, wenn man ihn ins Wasser wirft. Oder durch den Abfluss spült. Früher oder später taucht er dann in unserer Nahrung wieder auf. Wer käme auf die Idee, sein Gemüsebeet mit Plastikmüll zu bewerfen? Sicherlich niemand. Davon ganz abgesehen verenden jedes Jahr unzählige Meeresbewohner und Vögel qualvoll! Sie haben sich im Plastik verheddert oder es gefressen. Es wird noch Jahrzehnte dauern, bis wir unseren Müll wieder eingesammelt haben. Er taucht sogar schon an den entlegensten Stränden auf! Um so besser, dass in Magdeburg schon daran gearbeitet wird, was wir dann mit ihm anstellen.

 

Danke an die Hochschule Magdeburg/Stendal für die vielen Informationen und die tolle Führung!

Merken

Kommentar verfassen